Interviews
Interview Duo Compagni für klassikhören.de
Klassische Musik hat gerade im Bereich Kammermusik viel zu bieten, und das reicht wesentlich weiter als die bekannten Besetzungen Violine und Klavier oder Streichquartett. Auch außergewöhnliche Instrumentalkombinationen können vorkommen, und das Duo Compagni, bestehend aus Siegfried Jung und Susanne Endres hat sich der Kombination von Tuba und Klavier verschrieben. Wie es dazu kam, erzählt Tubist Siegfried Jung im Interview mit klassikhören.de
Herr Jung, mit Ihrem Duo Compagni spielen Sie in der ungewöhnlichen Besetzung Tuba und Klavier. Die Tuba gilt vielen als eher behäbiges Blasinstrument, weil man das Instrument oft nur in Blaskapellen und Spielmannszügen wahrnimmt. Wie kamen Sie darauf, das ganz erstaunliche virtuose Potenzial der Tuba voll auszuschöpfen?
Ich habe selbst in der Blaskapelle begonnen Tuba zu spielen. Das war mir aber einfach nicht genug, und deshalb habe ich mich weiterentwickelt. Zuerst bei „Jugend musiziert“, solistisch mit Klavier und im Ensemble mit weiteren Blechblasinstrumenten. Dann wurde ich Mitglied im Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz und beschloss, Tuba zu studieren. Neben meiner hauptberuflichen Tätigkeit am Nationaltheater Mannheim spiele ich sehr gerne Kammermusik mit Klavier, oder Harfe. Auch der Blasmusik bin ich treu geblieben. Ich bin Mitglied der Original Egerländer Musikanten.
Sie sind es gewöhnt, mit Spitzenorchestern zu spielen, wirken u.a. auch im Orchester der Bayreuther Festspiele mit, aber ihre Leidenschaft gilt, wie Sie schon sagen, vor allem auch der Kammermusik. Beim „Duo Compagni“ geht es aber um Kammermusik. Erzählen Sie uns mehr über dieses Duo!
DUO COMPAGNI ist nicht einfach ein Job für mich. Da steckt ganz viel Seele und Emotion dahinter. Die Pianistin Susanne Endres hat einfach besondere Fähigkeiten am Klavier. Sie formt den Klang und passt ihn an jedes Genre individuell an. Wie der Name schon sagt, wir sind Gefährten seit nunmehr dreißig Jahren. Man versteht sich blind und muss gar nicht über die Musik sprechen. Die Musikdarbietungen entstehen auf einer höheren Ebene.
Welche Klangfarben bietet die Kombination Tuba und Klavier, die andere Duo-Kombinationen mit Klavier vielleicht nicht aufweisen?
Man ist überrascht, welches Klangspektrum so eine Tuba mit sich bringt. Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt, so dass das Klavier in allen Lagen und Lautstärken ein vielseitiger Partner ist. Wer die Tuba bisher eher als ein tiefes Begleitinstrument wahrgenommen hat wird nun in neue klangliche Dimensionen entführt, die man so bei gewohnten Duokombinationen, wie z.B. Geige/ Klavier noch nicht gehört hat.
Als Tubist hat man ja das Problem, dass die Tuba erst nach der Zeit der Wiener Klassik erfunden wurde. Viele der beim Publikum populärsten Komponisten wie Mozart, Haydn, Beethoven, Schubert, stehen somit nicht zur Verfügung. Gleichzeitig ist es aber häufig genau das, was das Publikum erwartet. Wie gehen Sie damit um?
Wir versuchen das Publikum mit Neukompositionen zz überraschen, teils extra für uns komponiert. Es kann passieren, dass die Zuhörer Zeitzeugen einer Uraufführung werden, was natürlich immer etwas Besonderes ist.
Auch ein Ave Maria von Astor Piazzolla kann über die fehlende Beethovenkomposition hinwegtrösten.
Wir sind jedoch auch in der Lage ein Hornkonzert von Strauss oder ein Flötenkonzert von J. S. Bach auf die Bühne zu bringen.
2024 hatte der deutsche Musikrat die Tuba zum Instrument des Jahres ausgerufen. Gab es durch diese zusätzliche Aufmerksamkeit positive Effekte, die bis heute nachhallen?
Dieses Jahr trug dazu bei, den Fokus auf die Tuba auch als Soloinstrument zu lenken.
Berührungsängste mit einem unterschätzten Instrument wurden auch von Seiten der Veranstalter etwas abgebaut.
Bei ihren Konzerten spielen Sie aktuell ein Programm mit dem Titel „Tango und Balkan“. Das eine verbindet man für gewöhnlich mit Argentinien, das andere ist eine Region im Osten Europas – wie schaffen Sie den musikalischen Spagat zwischen diesen Welt-Regionen?
Die Musik schafft selbst die Verbindung zueinander. Gleichzeitig sind sowohl der Tango, als auch die Musik vom Balkan geprägt von Volksmusik und volkstümlicher Musik. Der Tango betrifft ganz Südamerika und kann in sehr unterschiedlichen Farben glänzen. Der einzigartige Rhythmus macht den Tango unsterblich. Der argentinische Komponist Gerardo Gardelin hat einen ganz eigenen Charakter in Sachen Tango entwickelt und hat schon mehrfach für mich für die Tuba komponiert.
Ein paar flotte und lockere Balkanrhythmen laden darüber hinaus zum Mitwippen ein. Der Name DUO COMPAGNI steht nämlich vor allem auch für Spielfreude und Leidenschaft.
Was kann man als Hörer bei einem Konzert mit dem Duo Compagni erwarten?
Die Zuhörer können sich auf ein temperamentvolles Programm aus den Genres Balkan und Latin freuen. Was das Duo Compagni eint, ist das Gefühl für Rhythmus, bzw. Metrik, Klangvorstellung und die Freude am Musizieren. Eine musikantische Natürlichkeit lässt die Werke nicht komplex sondern leicht zugänglich wirken.
Auf Ihrem letzten Album, das beim Label Hänssler Classic erschienen ist, haben Sie sich auch ganz der Musik Lateinamerikas gewidmet, die mit dem Klang der Tuba überraschend gut harmoniert. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, den tiefen Blasmusikklang mit Tango und anderen lateinamerikanischen Stilen zu verbinden?
Als Rhythmusinstrument ist die Tuba aus Blas- und Sinfonieorchestern nicht mehr wegzudenken.
Charakteristisch für die lateinamerikanische Musik ist ihre rhythmische Komplexität sowie leidenschaftliche Melodien, die eine tiefe Ausdruckskraft erzeugen.
Genau das schreibt sich auch das Duo Compagni auf die Fahne.
Was sind Ihre Pläne für die nähere Zukunft?
Wir möchten auch weiterhin viele Konzerte im In- und Ausland spielen, damit die Tuba möglichst vielen Menschen im Ohr bleibt.
